Der erste Husten, der erste Sturz, das erste Fieber – als Eltern rutscht uns das Herz oft in die Hose. Nichts ist schlimmer als das Gefühl, hilflos zu sein, wenn es dem eigenen Kind nicht gut geht. Wir bei Vestaria verstehen diese Ängste nur zu gut. Die Verantwortung für ein so kleines Wesen zu tragen, ist eine der größten Aufgaben überhaupt.
Doch wir haben eine gute Nachricht für dich: Du bist nicht hilflos. Mit ein wenig Wissen und der richtigen Vorbereitung kannst du in Notfällen besonnen handeln. Dieser Guide soll dir Sicherheit geben. Wir wollen dir zeigen, wie du die häufigsten Notfälle erkennst und was du im ersten Moment tun kannst.
Wichtig vorab: Dieser Blogbeitrag ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs am Kind. Wir empfehlen jedem von Herzen, einen solchen Kurs zu besuchen. Das praktische Üben an der Puppe gibt dir das Selbstvertrauen, im Ernstfall richtig zu reagieren.
- Ruhe bewahren – Dein wichtigstes Werkzeug
- Der Notruf: 112
- Verschlucken: Wenn die Luft wegbleibt
- Verbrennungen und Verbrühungen
- Fieberkrämpfe: Schreckmoment im Kinderzimmer
- Stürze und Kopfverletzungen
- Deine Hausapotheke für das Baby
- Vertrau auf deinen Instinkt
Ruhe bewahren – Dein wichtigstes Werkzeug
Es klingt so einfach und ist doch so schwer: Ruhe bewahren. Wenn dein Baby schreit oder sich verletzt hat, schießt das Adrenalin durch deinen Körper. Das ist normal. Aber Panik hilft niemandem. Dein Baby spürt deine Unruhe und wird dadurch noch ängstlicher.
Atme tief durch. Versuche, Sicherheit auszustrahlen. Sprich mit ruhiger Stimme zu deinem Kind. Wenn du merkst, dass du überfordert bist, rufe laut um Hilfe, damit Partner, Nachbarn oder Passanten dich unterstützen können. Du musst das nicht alleine schaffen.
Der Notruf: 112
Zögere im Zweifel nie, den Notruf zu wählen. Die Nummer 112 gilt europaweit. Die Leitstelle am Telefon wird dir genau sagen, was zu tun ist und bleibt bei dir am Apparat, bis Hilfe eintrifft.
Die 5 W-Fragen beim Notruf:
- Wo ist es passiert? (Ort, Straße, Hausnummer)
- Was ist geschehen?
- Wie viele Verletzte/Betroffene?
- Welche Verletzungen/Erkrankungen liegen vor?
- Warten auf Rückfragen! (Lege niemals als Erster auf.)
Verschlucken: Wenn die Luft wegbleibt
Verschlucken ist der Albtraum vieler Eltern. Babys erkunden die Welt mit dem Mund. Da kann schnell mal eine Murmel oder ein Stück Karotte im falschen Hals landen.
Erkennen:
Dein Baby hustet stark, würgt, bekommt keine Luft, läuft blau an oder ist plötzlich ganz still (weil keine Luft mehr durch die Stimmbänder kommt).
Handeln:
- Husten lassen: Wenn das Baby noch kräftig hustet, lass es husten. Das ist der effektivste Weg, den Fremdkörper loszuwerden.
- Rückenklopfen: Wenn das Husten nicht hilft oder das Baby keine Luft bekommt:
- Lege das Baby bäuchlings auf deinen Unterarm oder Oberschenkel. Der Kopf sollte dabei tiefer liegen als der Po. Stütze das Köpfchen mit deiner Hand (halte den Kiefer, drücke nicht auf den Hals).
- Gib mit dem Handballen bis zu 5 kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter.
- Thoraxkompression: Wenn sich der Gegenstand nicht löst:
- Drehe das Baby auf den Rücken (Kopf weiterhin tiefer als der Körper).
- Drücke mit zwei Fingern mittig auf den Brustkorb (wie bei der Herzdruckmassage), etwa 5 Mal schnell hintereinander.
- Wiederholen: Wechsle zwischen 5 Schlägen auf den Rücken und 5 Drücken auf den Brustkorb, bis der Fremdkörper raus ist oder der Notarzt kommt.
- Bewusstlosigkeit: Wenn das Baby das Bewusstsein verliert, beginne sofort mit der Wiederbelebung (Beatmung und Herzdruckmassage).
Verbrennungen und Verbrühungen
Eine umgekippte Tasse Tee oder das zu heiße Badewasser – Verbrühungen passieren blitzschnell. Babyhaut ist viel dünner als die von Erwachsenen und verbrennt schon bei niedrigeren Temperaturen schwer.
Handeln:
- Quelle entfernen: Entferne sofort die heiße Flüssigkeit (z.B. nasse Kleidung ausziehen), aber nur, wenn sie nicht auf der Haut klebt! Klebt Stoff in der Wunde, schneide drumherum und lass ihn auf der Haut.
- Kühlen: Kühle die betroffene Stelle sofort mit handwarmem (nicht eiskaltem!) Wasser für maximal 10–15 Minuten. Kühle nur die verbrannte Stelle, um eine Unterkühlung des kleinen Körpers zu vermeiden.
- Nicht hausmitteln: Bitte keine Salben, Puder, Öl oder Mehl auf die Wunde geben. Das erschwert dem Arzt die Beurteilung und kann zu Infektionen führen.
- Abdecken: Decke die Wunde steril und locker ab (z.B. mit einem Verbandtuch aus dem Autoverbandkasten), damit keine Keime hineingelangen.
- Arzt: Bei Babys und Kleinkindern solltest du bei Verbrennungen immer einen Arzt aufsuchen oder den Notruf wählen, besonders wenn Gesicht, Hände, Füße oder der Genitalbereich betroffen sind oder die Wunde größer als die Handfläche des Kindes ist.
Fieberkrämpfe: Schreckmoment im Kinderzimmer
Ein Fieberkrampf sieht dramatisch aus, ist aber in den meisten Fällen harmlos und hinterlässt keine Schäden. Er tritt meist bei schnell steigendem Fieber auf. Das Kind verdreht die Augen, wird steif, zuckt am ganzen Körper und ist nicht ansprechbar. Die Lippen können blau werden.
Handeln:
- Ruhe bewahren: Ein Krampf dauert meist nur wenige Minuten.
- Sichern: Lege dein Kind auf eine weiche Unterlage (Boden, Teppich), damit es sich beim Krampfen nicht verletzt. Halte es nicht fest und versuche nicht, das Zucken zu unterdrücken.
- Atemwege: Achte darauf, dass es frei atmen kann. Stecke nichts in den Mund!
- Uhr im Blick: Schau auf die Uhr, wie lange der Anfall dauert.
- Nach dem Anfall: Drehe das Kind in die stabile Seitenlage, wenn es noch bewusstlos ist. Kühle es sanft (z.B. Decke wegnehmen).
- Arzt: Rufe nach dem ersten Fieberkrampf immer den Notarzt oder fahre sofort in die Klinik, um andere Ursachen auszuschließen.
Stürze und Kopfverletzungen
Vom Wickeltisch gefallen oder die ersten Gehversuche enden an der Tischkante – Stürze gehören leider zum Großwerden dazu. Meist gibt es nur eine Beule und Tränen.
Wann zum Arzt?
Beobachte dein Kind nach einem Sturz auf den Kopf genau, auch wenn es sich schnell beruhigt. Alarmsignale in den nächsten 24 bis 48 Stunden sind:
- Bewusstlosigkeit (auch nur kurz)
- Erbrechen (auch Stunden später)
- Verhaltensänderungen (auffallend ruhig, apathisch oder extrem unruhig)
- Verschieden große Pupillen
- Flüssigkeit oder Blut aus Ohr oder Nase
In diesen Fällen: Sofort den Notruf wählen oder in die Notaufnahme fahren.
Deine Hausapotheke für das Baby
Vorbereitung ist alles. Eine gut sortierte Hausapotheke hilft dir, kleinere Wehwehchen schnell zu versorgen.
Das sollte drin sein:
- Fieberthermometer (am besten mit flexibler Spitze)
- Fieberzäpfchen oder -saft (passend zum Alter/Gewicht, vom Kinderarzt verschrieben)
- Wunddesinfektionsmittel (nicht brennend, für Schleimhäute geeignet)
- Pflaster (hypoallergen) und sterile Kompressen
- Kühlkompresse (im Kühlschrank lagern)
- Pinzette (für Splitter) und Zeckenzange
- Nasensauger (bei Schnupfen)
Überprüfe regelmäßig das Verfallsdatum der Medikamente.
Vertrau auf deinen Instinkt
Wir Eltern haben oft einen siebten Sinn. Wenn dir dein Kind „komisch“ vorkommt, auch ohne dass du genau sagen kannst, warum – vertraue diesem Gefühl. Lieber einmal zu viel beim Kinderarzt anrufen oder vorbeifahren, als einmal zu wenig. Kein Arzt wird dir böse sein, weil du dir Sorgen machst.
Du machst das toll. Jeden Tag gibst du dein Bestes für deinen kleinen Schatz. Mit ein bisschen Wissen über Erste Hilfe kannst du dich noch sicherer fühlen und die Zeit mit deinem Baby entspannt genießen.
Bleib sicher und gesund!




